LAK | 10. Sommertreffen

10. Sommertreffen 2000

Regenwald mit Multimedia

Bis Sonntag hatten wir von den Herrenhäuser Gärten, die gegenüber dem Gelände des TuS Marathon lagen, hauptsächlich die abendlichen Feuerwerke sehen können, die unsere Abende auf dem Zeltplatz bereicherten. Wir hatten von einem neuen "Regenwaldhaus" gehört und wollten es - neugierig geworden - am Sonntag besuchen.

Leichter gesagt als getan. Nach einem langen Fußmarsch von sicherlich fast 2 Kilometern (und das obwohl hier auch Sonntags die Straßenbahn fährt) kamen wir ziemlich erschöpft an. Wir mussten allerdings feststellen, dass noch mehr Leute auf die gleiche Idee gekommen waren und die Wartezeit im Vergleich mit den Expo-Pavillons einen Spitzenplatz erreichte. Wir konnten dann wie zu sehen ist eine "Bordkarte" für 13 Uhr 20 ergattern.

In der Wartezeit - im Gegensatz zur Expo - musste man ja diese Zeit nicht in einer Schlange verbringen - informierten sich einige über eine Alternative zum Regenwald im frei zugänglichen Kakteenhaus. Hier kann man sehen, wie der Fachmann (Bild rechts oben) interessiert aber vorsichtig und skeptisch die hier ausgestellten Kakteen und andere Exponate (alle anderen Bilder) betrachtet.

Vom Regenwaldhaus sieht man von außen fast nur eine durchsichtige Kuppel. Ein großer Teil - des im Inneren 18 Meter hohen Bauwerks - ist in die Erde eingelassen. Nachdem man die Planung des Regenwaldhauses schon 1995 konkret in Angriff genommen hatte, wurde es 1997 als Expo-Projekt Nr. 129 "Stadt als Garten" anerkannt und kam so auch in den Genuss zusätzlicher Mittel.

Drinnen wird auf den 3200 Quadratmetern ein Ausschnitt aus einem Bergregenwald gezeigt, wie er in einer Höhe von 1000 bis 1600 m an der Küste Brasiliens vorkommt. Da die Entfernung nach Brasilien beträchtlich ist, sind wir froh zu erfahren, dass uns ein weiterer Fußmarsch erspart bleibt. Wir werden auf den Spuren des bekannten, aber leider seit einiger Zeit vermissten Forschers Prof. Frank in den Urwald transportiert. Wir zücken alle unsere Bordkarten und werden, damit wir uns besser zurechtfinden, mit einem Headset und einem Transcoder ausgestattet, der uns bei Bedarf mit den notwendigen Informationen versorgt.

Man bekommt nicht nur erklärt, sondern kann auch selbst sehen wie eine Schlange ihre Umgebung wie mit einer Wärmekamera wahrnimmt. Man sieht wie sich Leuchtinsekten Mitteilungen schicken und erfährt wie die Ultraschallnavigation der Fledermäuse funktioniert. Dann geht es aber aus dem Lager hinaus in den Urwald mit seinen 6000 Pflanzen, den freilebenden Fröschen, Fledermäusen, Schmetterlingen, Schlangen und Vögeln. Mit dem Transcoder kann man jetzt an Bildschirmen an verschiedenen Stellen vor Ort zusätzliche Hintergrundinformationen zu dem bekommen was im Regenwaldhaus zu sehen ist. Hier ergänzen sich sinnliche Wahrnehmung und audiovisuelle Information hervorragend, im Gegensatz zu vielen Stellen auf der Expo, wo man zum Teil mit "Multimedia" zugeschüttet wird, die außer Sound und schönen bunten Bildern weder Information noch Erfahrung bietet.

"Indiana Otto" behält in allen Lagen den Überblick...

...es geht noch höher auf eine Plattform in 10 Meter Höhe

...um ans Licht zu kommen wachsen viele Pflanzen auf den Bäumen.

Die Treppen und Brücken im Regenwaldhaus machen es möglich den Urwald in drei Dimensionen vom Boden bis zu den Pflanzen auf den höchsten Ästen zu erleben. Es ist schon etwas besonderes wenn man von oben auf das Urwaldgrün mit den fliegenden bunten Vögeln oder leuchtend blauen Schmetterlingen hinabsehen kann. Farne und große Bromelien (die bekannteste Bromelie ist wohl die Ananas) auf den Felsen. Und auch auf den ästen finden wir sie - z.B. die ebenfalls zu den Bromelien gehörenden Tillandsien - gemeinsam mit 0rchideen. Die langen Bärte, die von den Ästen herabhängen, sind Tillandsien (nicht wie manche glauben Flechten wie sie in Filmen, die in den Sümpfen von Florida spielen, eine gute Kulisse abgeben) und wenn man Glück und gute Augen hat, kann man die winzigen Blüten sehen.

Unscheinbar braun lässt sich dieser Schmetterling nur zusammengeklappt fotografieren. Die vielen Augen werden Angreifer, die ihn trotzdem entdecken, verwirren. Aber wenn er dann seine Flügel ausbreitet, sieht man ihn schon von Weitem leuchtend blau blitzen.

Mit dem Flugzeug zurück in die Zivilisation, ein Kinoerlebnis wie es mancher Teilnehmer in abgewandelter Form wohl schon auf der Expo - z.B. in den Pavillons von Luxemburg oder der Europäischen Union - gehabt hatte.

Gleich hinter dem Ausgang sanken dann einige Expeditionsteilnehmer vollkommen geschafft vom jet-lag auf die Stühle.

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