LAK | 10. Sommertreffen

10. Sommertreffen 2000

13. bis 21. Juli 2000 in Hannover zur EXPO

DIE INTERNETWERKSTATT IM SOMMERTREFFEN 2000
MODERNE TECHNIK FÜR BENACHTEILIGTE JUGENDLICHE

Dr. Dirk Härdirch

Die Idee entstand im Januar bei einer Vorbesprechung für das Sommertreffen 2000 des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt KDA und des Landesarbeitskreises Berufsnot junger Menschen. Gerade diese Klientel, so war die Idee, sollte im Expo-Jahr nicht nur mit "normalen" Handwerkstechniken vertraut gemacht werden, sondern auch die Chance erhalten, sich mit der modernsten Kommunikationstechnik, dem Internet vertraut zu machen.

Nach kurzer Zeit stand die Idee fest. Im Rahmen dieses Sommertreffens, das in der Zeit vom 13. bis zum 21 Juli 2000 auf dem Gelände des TuS-Marathon in Hannover-Herrenhausen stattfinden sollte, sollte eine Internetzeitung produziert werden. Damit war beabsichtigt, nicht nur die Ereignisse des Sommertreffens Tag für Tag festzuhalten, sondern dies auch in Form von Internetseiten einer Öffentlichkeit zu präsentieren.

Gewünschter Effekt sollte dabei sein, dass die beteiligten Jugendlichen die Erfahrung machen sollten, dass der Umgang mit dem Internet, insbesondere die Gestaltung eines eigenen Internetangebotes durchaus kein unüberwindbares Hindernis darstellt, sondern auch von Jugendlichen, die zu den Benachteiligten gerechnet werden, geleistet werden kann.

Dies war umso wichtiger, als die beteiligten Jugendwerkstätten zum überwiegenden Teil über keine oder nur geringe Möglichkeiten verfügen, selber mit dem Internet zu arbeiten. Selbst die Medienwerkstatt der Jugendwerkstatt Holzminden kann nur einmal in der Woche das Internetcafé der eigenen Einrichtung nutzen - viel zu wenig, um sich mit dem neuen Medium wirklich vertraut machen zu können.

Im Vorfeld des Sommertreffens wurde ein erstes inhaltliches Konzept erarbeitet und Rahmenseiten für das Internet erstellt. Zudem wurden Musterseiten vorbereitet, die von den Jugendlichen möglicherweise als Vorlagen für die Erstellung von eigenen Seiten genutzt werden konnten. Bei der Auswahl der zu verwendenden Programme war eine nicht ganz unkritische Gratwanderung zu bewältigen. Einerseits sollte Programme verwendet werden, die es den Jugendlichen ermöglichen, schnell und ohne unüberwindbare Hindernisse Web-Seiten zu gestalten, andererseits war es auch erforderlich, so viel Spielraum bei der Gestaltung zu lassen, dass auch interessante Seiten entstehen konnten. Zudem bestand eine Unsicherheit darin, dass im Vorfeld nicht klar war, wie viel Computererfahrung insgesamt vorausgesetzt werden konnte. Dies war umso wichtiger, weil der Versuch gemacht werden sollte, insbesondere denjenigen den Zugang zu ermöglichen, die bislang eher wenig Umgang mit diesem modernen Kommunikationsmedium hatten.

Geplant war der Ablauf folgendermaßen:

Eine Kerngruppe aus vier bis fünf Jugendlichen sollte die eigentliche Redaktion bilden, die möglichst einmal am späten Nachmittag aus den vorhandenen Materialien eine kleine Seite gestalten sollten, die dann noch vor Ort ins Internet gespielt werden sollten. Die anderen Mitglieder des Sommertreffens sollten im Lauf des Tages Fotos, Texte und Vorlagen zusammentragen, die dann der Redaktion als Arbeitsmaterial für die Gestaltung der Seiten dienen sollten.

Die erforderliche Technik wurde vom BBW-Annastift zur Verfügung gestellt. Insgesamt vier Rechner waren schließlich, verstärkt durch private Hardware in einem Nebenraum des TuS-Marathon installiert, mit der erforderlichen Software ausgestattet. Allerdings war es mit der nicht mehr ganz neuen Hardware nicht möglich, ein kleines internes Netzwerk aufzubauen. So konnte nur ein Rechner unmittelbar Zugang zum Internet bekommen; auch hier ergaben sich Anfangs Zugangsprobleme, doch nach kurzer Zeit stand die Internetleitung dauerhaft und sicher. So wurden die anderen drei Arbeitsplätze im Wesentlichen zur Seitengestaltung und der Internetrechner zur Herstellung der Verbindung zum Netz genutzt. Die Übermittlung der Daten zwischen den einzelnen Rechnern erfolgte mittels Diskette.

Gleich zu Beginn des Sommertreffens fand sich eine kleine Redaktionsgruppe zusammen, die bereit war, sich nach den jeweiligen Veranstaltungen und Exkursionen auch noch Zeit zu nehmen, sich in die Programme einzuarbeiten und Web-Seiten zu gestalten.

Drei der Mitglieder der Internetgruppe hatten kaum Erfahrung mit Computern und Internet und vor allem keine Erfahrung bei der Gestaltung von Internetseiten unter Verwendung einfacher Gestaltungsprogramme wie den Composer von Netscape. Auch die Verwendung peripherer Hardware wie Scanner und Digitalkamera musste erst noch erlernt werden.

Schon am ersten Arbeitstag konnte eine kleine Seite mit einem Bild des japanischen Pavillons gestaltet werden. Dabei war es besonders bemerkenswert, dass dies durch eine 16-jährige geschah, die vordem weder am Computer gesessen hatte, noch über Interneterfahrung verfügte. Während zwei andere Jugendliche aus der Vielzahl der bereits vorhandenen Fotos ein geeignetes heraussuchte, sich im einscannen und Bildbearbeiten übte, schrieb die 16-jährige den Text zur eigentlichen Internetseite und gab auch die Angaben zum Einfügen der Fotos ein.

Nachdem die Seite weitgehend fertiggestellt war, wurde am folgenden Tag noch einmal mit verschiedenen Hintergrundfarben, Schriftfarben und Schrifttypen gestalterisch bearbeitet und die am Vortag entstandene Seite verfeinert und umgearbeitet. Dabei wurde deutlich, welche Tücken sich bei der Gestaltung gerade von Internetseiten auftun können, wenn man z.B. die Hintergrundfarbe falsch wählt. Dabei konnten zahlreiche, oft auch amüsante "Aha"-Effekte erzielt werden.

Ein anderer Jugendlicher hatte zwischenzeitlich mit einem Malprogramm ein EXPO-Logo auf dem Bildschirm kreiert. Mit diesem Bild wurde eine weitere Internetseites gestaltet, die am folgenden Tag ebenfalls gleich in das Netz eingestellt wurde.

Einer der Jugendlichen verfügte bereits über recht umfassende Computerkenntnisse zur Gestaltung von Web-Seiten (wobei das Gespür für die Gestaltung der Seiten sicherlich noch ausbaufähig ist) und erhielt den Arbeitsauftrag, eine Fotogalerie aufzubauen. Auswahl und Bearbeitung der Fotos, Gestaltung der Seite und Fertigstellung der Web-Seite war nun sein allein seine Arbeit.

Neben der Gestaltung von Internetseiten, dem Sammeln von Material für weitere Seiten fingen die Jugendlichen schnell an, abends im "Internet-Café" zu surfen. Insbesondere Chatten war gefragt und die Jugendlichen, die bereits erste Kenntnisse hatten, ermöglichten den anderen auf diese Weise, sich mit den Möglichkeiten des neuen Mediums vertraut zu machen.

Am Ende des Seminars war zwar keine "Internet-Zeitung" entstanden - die Angebote des Sommertreffens, insbesondere die Möglichkeit der EXPO-Besuche hatten dann doch größeres Interesse, aber es gab zahlreiche Seiten bzw. Seitenvorschläge.

In Kürze wird das Ergebnis neu konzipiert unter der Internetadresse www.sommertreffen.de anwählbar sein. Geplant ist diese Homepage einerseits als feste Homepage für die vergangenen und künftigen Sommertreffen, sie soll es aber den beteiligten Jugendwerkstätten ermöglichen, auch künftig weiterhin vor Ort eigene Internetseiten zu produzieren und diese immer wieder in das Internet einstellen zu können, auch wenn vor Ort das Internetangebot noch nicht vorhanden oder aus verschiedenen Gründen für die Jugendwerkstätten noch nicht im gewünschten Maße nutzbar ist. Wichtig bleibt daher, dass das Internet, insbesondere die Gestaltung eines eigenen Internetauftritts für die beteiligten Jugendwerkstätten und ihre Jugendlichen eine ständige Herausforderung bleibt und regelmäßig eine Aktualisierung der Seiten erfolgen soll.

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